Letzten Schabbat studierten wir die Paraschat Tezawe, wo die Tora weiter mit der Beschreibung der Details des Mischkan (der Stiftshütte) fortfährt. Der Schwerpunkt dieser Parascha liegt auf den acht Kleidungsstücken, die der Kohen Gadol (Hohepriester) während der Dienste in der Stiftshütte trug.
Am Ende der Parascha beginnt die Tora auch, uns einige der Gebote über die Korbanot (Opfergaben) zu lehren, die in der Stiftshütte dargebracht wurden. Neben dem physischen Aspekt der Gewänder des Kohen Gadol, die sehr prächtig waren und aus edlen und teuren Materialien hergestellt wurden, betont der Talmud (Arachim 16a), dass die Gewänder noch eine weitere interessante Eigenschaft hatten.
Es gibt eine Verbindung zwischen der Beschreibung der Kleidung des Hohenpriesters und der Beschreibung der Korbanot (Opfer), denn so wie die Korbanot Sühne für die Sünden des Volkes brachten, so brachten auch die Gewänder des Hohenpriestern Sühne. Jedes der Kleidungsstücke hatte die Kraft, Sühne für einen bestimmten Fehler zu bringen, den das Volk Israel begangen hatte.
בִּגְדֵי כְהֻנָּה – Der Ausdruck für „Priestergewänder” lautet im Hebräischen Bigdei Kehunah.
Hier sind die Namen der acht Gewänder des Kohen Gadol (Hohepriesters), wie sie in der Tora beschrieben sind, und ihr Sühnungszweck:
כְּתֹנֶת – Ktonet – Leibrock – brachte Sühne für Ermordungen.
מִכְנָסַיִם – Michnassaim – Hosen oder Beinkleider – brachte Sühne für inzestuöse Beziehungen.
מִצְנֶפֶת – Mitsnefet – Kopfbund oder Turban – brachte Sühne für Arroganz.
אַבְנֵט – Awnet – Gürtel – brachte Sühne für sündige Gedanken des Herzens.
חֹשֶׁן – Choshen – Brustschild – brachte Sühne für Gerichtsfehler.
אֵפוֹד – Efod – Schultergewand – brachte Sühne für Götzendienst.
צִיץ – Tzitz – Stirnblatt oder Goldplatte – brachte Sühne für schamlose Taten.
מְעִיל – Meil – Mantel oder Obergewand – brachte Sühne für Lashon Harah (Verleumdung).
מְעִיל – Der Meil war ein langer Mantel, an dessen Saum kleine Glöckchen angenäht waren. Wenn sich der Hohepriester bewegte, klingelten die Glöckchen. Und genau dieses Kleidungsstück, das Geräusche machte, diente dazu, die Übertretung zu sühnen, die ebenfalls Geräusche macht, nämlich Lashon Hara.
Der Talmud behauptet jedoch, dass das – קְטֹרֶת – „Ketoret”, der Weihrauch, der in der Stiftshütte dargebracht wurde (und keinen Ton von sich gab), ebenfalls Sühne für die Übertretung des Lashon Harah brachte.
מְעִיל – Der Talmud verbindet das Geräusch des Meil mit dem Geräusch des Lashon Harah.
קְטֹרֶת – Das Ketoret hingegen, etwas Leises, wird ebenfalls mit dem Lashon Harah in Verbindung gebracht.
Bevor wir fortfahren, müssen wir verstehen (uns daran erinnern), was Lashon Harah ist. Dafür lesen wir erstmal die Worte von Schaliach Schaul (Apostel Paulus), der sehr deutlich beschreibt, was Laschon Hara ist:
„Kein böses Wort (oder unanständiges Wort – oder Lashon Harah) soll aus eurem Mund kommen, sondern nur eines, das gut ist, wenn es nötig ist, und das den Zuhörern Gnade bringt.“ (Epheser 4:29)
Lashon Hara „böse Zunge“ ist ein Begriff, der sich auf die Sünde bezieht,
böse zu reden, zu lästern, zu verleumden
oder das Ansehen einer anderen Person zu schädigen.
Selbst wenn das, was gesagt wird, der Wahrheit entspricht.
Es wird in der Tora als schwerwiegende Sünde angesehen
(17 „negative” Übertretungen; 14 „positive” Übertretungen = 31),
wobei der Schwerpunkt auf dem emotionalen und
sozialen Schaden liegt, der durch negative Worte verursacht wird.
Lashon Hara ist eine der schwersten Sünden, verbunden mit grundlosem Hass, der zur Zerstörung des Zweiten Tempels führte,
weil er den Messias selbst verleumdete.
Lashon Hara bedeutet, schlecht über sich selbst zu sprechen, sich über das Leben und das, was man hat, zu beschweren, über das Wetter, über das, was man sieht und in etwas Negatives verwandelt.
Lashon Hara beginnt, wenn jemand sagt:
„Ich muss dir etwas über jemanden erzählen!”, und du antwortest:
„Was denn?”, dann bist du zum Richter in dieser Sache geworden.
Das Problem und die Sünde besteht darin, dass du „nur” eine Seite gehört und ein Urteil gefällt hast, ohne zu einer gerechten Schlussfolgerung gekommen zu sein, und so zu einem korrupten und ungerechten Richter geworden bist. Lashon Hara umfasst Kommentare, die den Ruf schädigen, Spaltungen verursachen oder jemanden demütigen, unabhängig von der Richtigkeit der Informationen.
Lashon Hara ist die Wiedergabe von Tatsachen, die nicht mit Bedacht verbreitet werden sollten, da sie dir und den Beteiligten Schaden zufügen.
Aber dann darf man über niemanden sprechen, auch wenn es wahr ist?
Man darf eine Sache (in seinem Herzen und mit anderen) oder eine oder mehrere beteiligte Personen nicht beurteilen?
Ist es verboten, den Namen einer Person zu nennen, um über eine Sache (Tatsache) zu urteilen?
Ist es notwendig, alle über das Geschehene zu informieren, nur um die Situation (Person) offenzulegen?
Sollen wir schweigen oder uns zurückhalten, wenn wir über eine Sache (oder eine Person) informiert werden, und uns „neutral” (schweizerisch; schwedisch) verhalten?
Die Worte des Messias, die dies lehren, wurden lange Zeit falsch interpretiert und auf einen Satz ohne Kontext reduziert:
„Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet. Denn wie ihr richtet, so werdet auch ihr gerichtet werden; und mit dem Maß, mit dem ihr messt, wird auch euch gemessen werden… Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, dann wirst du klar sehen, um den Splitter aus dem Auge deines Bruders zu entfernen.“ (Matthäus 7:1-2,5)
Das positive Gebot lautet, klar zu sehen (eine gerechte und barmherzige Absicht zu haben), um eine Lösung für die Situation zu finden. Heuchelei ist, wenn man sich „demütig“ und „gerecht“ zeigen will, sich aber der Verantwortung entzieht, gerecht und vor Gott zu urteilen.
Der Messias Jeschua warnt uns, dass das gleiche Maß an Urteil (Strenge, Mangel an Barmherzigkeit), das wir gegenüber anderen anwenden, von Gott auch auf uns angewendet wird. Aber Er verbietet uns nicht zu urteilen, im Gegenteil, Er ermutigt uns, gerechte Urteile zu fällen.
Das richtige Maß an Barmherzigkeit, Mitgefühl und der Absicht, Frieden und Versöhnung zu stiften, muss beim Urteilen angewendet werden. Die Anweisung lautet, sich zunächst selbst zu beurteilen und zu korrigieren, um dann dem Nächsten mit Klarheit zu helfen.
„Richtet nicht nach dem Augenschein, sondern richtet gerecht.” (Johannes 7:24)
Wenn der Messias uns anweist, mit seiner Gerechtigkeit zu richten, dann ist es notwendig, über „juristisches” Wissen zu verfügen, um gerecht zu richten. Diese Grundlage findet sich in seiner Tora, und es ist unsere Aufgabe, sie gründlich und mit seinem Geist zu studieren, der uns erleuchtet, den guten, wohlgefälligen und vollkommenen Willen Gottes zu verstehen, um „gerechte Urteile zu fällen”.
„Begehte keine Ungerechtigkeit in einem Urteil; begünstige weder die Armen noch versuche, den Mächtigen zu gefallen, sondern richte deinen Nächsten gerecht. Verbreitet keine Verleumdungen unter eurem Volk. Erhebt euch nicht gegen das Leben eures Nächsten. Ich bin der Herr. Hütet keinen Hass gegen euren Bruder in eurem Herzen, sondern weist euren Nächsten offen zurecht, damit ihr nicht wegen ihm die Folgen einer Sünde erleidet.” (3. Mose 19,15-17)
Der Shaliach Shaul ermahnt uns, weise zu urteilen:
„Gibt es unter euch niemanden, der weise genug ist, um einen Streit zwischen Brüdern zu schlichten? Die Tatsache, dass es unter euch Gerichtsverfahren gibt, bedeutet bereits eine vollständige Niederlage. Warum erduldet ihr nicht lieber die Ungerechtigkeit? Warum erduldet ihr nicht lieber den Schaden? Stattdessen verursacht ihr selbst Ungerechtigkeit und Schaden, und das gegenüber Brüdern!“ (1. Kor 6:7-8)
Weisheit besteht darin, die Zunge zu zügeln und sie zu benutzen, um Gott und den Nächsten zu segnen:
„Wir alle stolpern auf vielerlei Weise. Wenn jemand in seiner Rede nicht strauchelt, ist er ein vollkommener Mensch, der auch seinen ganzen Körper beherrschen kann… So ist auch die Zunge ein Feuer, eine Welt der Ungerechtigkeit. Die Zunge aber kann niemand zähmen. Sie ist ein unkontrollierbares Übel, voller tödlichem Gift. Mit der Zunge preisen wir den Herrn und Vater, und mit ihr verfluchen wir Menschen, die nach Gottes Ebenbild geschaffen sind. Aus demselben Mund kommen Segen und Fluch. Meine Brüder, das kann nicht sein! Kann etwa aus derselben Quelle süßes und bitteres Wasser fließen?“ (Jakobus 3:2,5-6,8-11)
Nachdem wir nun ein wenig besser verstehen, was Lashon Hara ist und wie man zum Guten urteilt, erklärt die Tora, dass es zwei Arten von Lashon Hara und ihre jeweiligen Sühne gibt:
Das, was laut geschieht, und das, was still geschieht.
מְעִיל – Der Meil, der laut ist, bringt Sühne für das Lashon Hara, das laut ausgesprochen wird, d. h. wenn derjenige, der seinen Bruder verleumdet, dies tut, ohne seine Gefühle zu verbergen, und die Dinge so offen sagt, dass sogar derjenige, der verleumdet wird, es hört.
קְטֹרֶת – Ketoret hingegen, das still ist, bringt Sühne für Lashon Harah, das still geschieht, d. h. wenn der Diffamierer seine wahren Gefühle vor dem „Opfer” verbirgt und dieses sich nicht einmal bewusst ist, dass sein Image gnadenlos beschmutzt wird.
Wir müssen die wahren Auswirkungen der beiden Arten von Lashon Hara tiefer verstehen:
Lashon Hara mit Lärm verursacht großen Schaden, denn wenn die verleumdete Person die schlechten Dinge hört, die offen über sie gesagt werden, empfindet sie großen Schmerz und Traurigkeit. Andererseits hat das Opfer jedoch, da Lashon Hara offen geäußert wird, eine größere Chance, sich zu verteidigen und Maßnahmen zu ergreifen, um Lashon Hara zu unterbinden (auszulöschen), wenn es hört, was über es gesagt wird.
Das stille Lashon Hara hat hingegen eine viel bösartigere Seite als das laute Lashon Hara. Das stille Lashon Hara ist dadurch gekennzeichnet, dass der Verleumder (der Feind) sich „zweigleisig” verhält, d. h. vor dem Opfer ist er freundlich und lächelt und umarmt es ständig, aber hinter seinem Rücken spricht und urteilt der Verleumder gnadenlos und sagt schreckliche Dinge. Da das Opfer sich nicht bewusst ist, dass es verleumdet wird, kann es sich nicht schützen, und die Angriffe können so lange weitergehen, bis es vor aller Augen zerstört ist.
Besonders überraschend an dieser Erklärung ist, dass Lashon Hara, das still und leise geschieht und harmlos erscheint, oft sogar schwerwiegender und zerstörerischer sein kann als Lashon Hara, das offen geschieht. Die Wurzel dieses Problems liegt darin, dass es in unserem Leben immer wieder vorkommt, dass wir eine Abneigung gegen jemanden entwickeln und diese in unseren Herzen ansammeln.
Dies sind Samen – Situationen und Gespräche –, die, wenn sie nicht erkannt und zum Guten verarbeitet werden (im Gebet, in produktiven Handlungen, in aufklärenden Gesprächen mit der richtigen Absicht), Bitterkeit und folglich Lashon Hara hervorbringen werden:
„Achtet aufeinander, damit keiner von euch die Gnade Gottes versäumt. Achtet darauf, dass keine giftigen Wurzeln der Bitterkeit sprießen, die Unruhe stiften und viele verunreinigen.“ (Hebräer 12,15)
Lashon Hara und Heuchelei, die „zwei Gesichter“ entwickelt, dienen nur dazu, Streitigkeiten und Feindseligkeiten zwischen Menschen und der Gemeinde des Messias zu schüren. Der ideale Weg, um solche Probleme zu lösen, sollte immer ein offenes und transparentes Gespräch sein.
„Wenn dein Bruder sündigt (gegen dich – einige Versionen enthalten diese Spezifizierung nicht), dann geh zu ihm und weise ihn unter vier Augen auf seinen Fehler hin. Wenn er auf dich hört, hast du deinen Bruder gewonnen.“
„Wenn er aber nicht auf dich hört, nimm noch einen oder zwei andere mit, damit „jede Anschuldigung durch die Aussage von zwei oder drei Zeugen bestätigt wird“. Wenn er sich weigert, auf sie zu hören, sage es der Gemeinde; und wenn er sich weigert, auch auf die Gemeinde zu hören, behandle ihn wie einen Heiden oder Zöllner.” (Matthäus 18:15-17)
In diesen Gesprächen sollte die Lautstärke immer ruhig gehalten werden und das Gespräch sollte sachlich und überlegt sein, ohne Grobheit oder Hitzigkeit.
So wie sich ein Diener des Herrn verhalten sollte:
„Ich sage es noch einmal: Lasst euch nicht auf dumme und sinnlose Streitgespräche ein, die nur zu Streitigkeiten führen. Ein Diener des Herrn sollte nicht streiten, sondern freundlich zu allen sein, lehrfähig und geduldig. Weise diejenigen, die sich widersetzen, mit Sanftmut zurecht, in der Hoffnung, dass Gott sie zur Umkehr bewegt und sie so die Wahrheit erkennen. Dann werden sie zur rechten Einsicht zurückkehren und der Falle des Teufels (Amaleks) entkommen, der sie gefangen hält, um das zu tun, was er will.“ (2. Timotheus 2:23-26)
Nur durch ehrliches und aufrichtiges Verhalten können wir unsere Beziehungen zu allen um uns herum wirklich verbessern, ohne Gefahr zu laufen, heuchlerisch zu werden oder anderen Schaden zuzufügen.
Frag dich selbst und überprüf, wie dein Verhalten in deinen Beziehungen bisher war.
Frag dich selbst und überprüf, was deine Absicht und dein Ziel in deinen Gesprächen und Urteilen bisher war.
Frag dich selbst und überprüf, womit dein Herz erfüllt ist.
„Bedenkt: Ein guter Baum bringt gute Früchte, und ein schlechter Baum bringt schlechte Früchte, denn ein Baum wird an seinen Früchten erkannt. Ihr Schlangenbrut, wie könnt ihr, die ihr böse seid, Gutes reden? Denn der Mund redet, wovon das Herz voll ist… Aber ich sage euch: Am Tag des Gerichts werden die Menschen Rechenschaft ablegen müssen für jedes unnütze Wort, das sie gesprochen haben. Denn durch eure Worte werdet ihr freigesprochen werden, und durch eure Worte werdet ihr verurteilt werden.“ (Matthäus 12:33-37)
Gastsprecher: Tsadok Ben Derech
Die Wiederherstellung der Brit Chadascha (NT) und das Ende der Zeiten im Licht des Messias Jeschua
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